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Wer hats erfunden? IRGENDJEMAND – IRGENDWANN

Achtung , ihr Lieben, das wird ein langer Post! Und ein kritischer, ich schreibe mir das jetzt mal „von der Seele“, weil es schon lange in mir gärt und ich grade wieder aktuell Grund hatte, mich über sowas aufzuregen. Es passiert täglich und es ist sooo überflüssig!
WORUM GEHTS?
Erstmal, es geht ganz sicher nicht um direkten Design- oder Ideenklau! Dazu schreibe ich unten noch was.

Es geht darum, dass diejenigen, die sich als „Nähpolizei“ verstehen und immer wieder einen „shitstorm“ lostreten, weil sie meinen, dass was jemand macht, sei nicht „auf dessen Mist“ gewachsen oder sei zu nah an etwas dran, das sie vor 2,5,10 Jahren mal auf einem japanischen Blog (oder einer alten Burda-Zeitung, oder einem youtubeVideo, oder einem alten Nähbuch, oder bei der Oma…. hier bitte beliebig ersetzen) gesehen haben. 

Der Anlaß für diesen Post ist übrigens, dass ich mich doch tatsächlich dabei ertappt habe, dass ich meine neuen ebook-Ideen in Frage gestellt habe, weil es vielleicht immer irgendwo Ähnliches gibt oder schon gab. Und dass ich mich tatsächlich kurz „gefürchtet“ habe, dass es dass irgendwo in den Weiten des www doch schon gibt, obwohl ich gründlich recherchiert habe, ich  es aber nicht kenne und dann ein Shitstrom losbricht. DAS KANN DOCH NICHT SEIN??

 

 

 
WER HATS ERFUNDEN?
Vor ein Paar Jahren war die Nähszene mit ihren Anleitungen, Schnitten, Tutorials, freebooks, Stickdateien, Zeitschriften und damals blogs (vor facebook und pintereset) noch echt überschaubar. 

Man konnte gut verfolgen, was es so an Anleitungen und Schnitten gab und im Laufe der Zeit kam viel Neues dazu. Ich erinnere mich da gerne an Zeiten, als wir zum Beispiel bei darauf gewartet haben, was es bei farbenmix Neues an ebooks geben wird (oder bei Huups und kunterbunt etc. an Stickdateien) und das haben dann ganz viele gekauft und genäht. Gab ja sonst nicht viel in der deutschen Nähszene. Wir sind uns sicher einig, dass das heute anders ist. Nehmt nur mal die 5000 Taschennähbücher oder die 1000000 Anleitungen für Shirts, Hoodies, etc. die Liste läßt sich ja unendlich fortsetzen. Eigentlich gibt es schon alles, oder? Das gilt für Schnitte, als auch für Stickdateien, Stoffe etc. Manche Stoffdesigns erinnern mich an meine Kindheitsstoffe, andere an die Kittelschürzen meiner Oma. Ich persönlich kann nicht sagen, welche Blütenform von welchem alten Stoff mich vielleicht inspiriert hat.

Wer heute international sucht und Schnittmusterzeitschriften, blogs, YoutubeKanäle, etc. Nähbücher etc. durchforstet, wird immer etwas finden, was gleich oder ganz nah dem ist, was ein Schnittmusterdesigner oder ebook-Schreiber macht. Wer will auch die Bluse, Kosmetiktasche, YogaHose, Handtasche, Reisetasche, Einhorn, Geldbeutel (auch hier wieder beliebig erweitern bitte) neu erfinden? Wenn wir ehrlich sind: Niemand!!
Also hats irgendjemand, irgendwann erfunden.

 

Mal ehrlich: Wenn ich heute diese alten Bücher durchforste (und die sind echt 20 Jahre und älter) finde ich da sooo viel, was es heute als ebook gibt, oder was in neueren Büchern wieder auftaucht! Ja und?
 
WANN IST EIN ORIGINAL EIN ORIGINAL?
Würde es danach gehen, was es schon irgendwo auf der Welt in irgendeinem Medium vielleicht gibt oder gab, könnte niemand mehr etwas machen. Erstens kennt man sicher nicht alles, Zweitens findet man auch sicher bei guten Recherche nicht alles (Beispiel: Suchbegriff : „Tabaktasche“ auf russich oder japanisch) und Drittens gibt es immer Variationen, die für erfahrene Näher absolut „unnötig“ sind, für Nähanfänger aber total gut.

 

Man muß sich also klar machen, dass es absolut legitim ist, dass Schnittmusterersteller „A“, der eher schmale Schnitte hat und Schnittmusterersteller „B“, der eher geräumig schneidet ein Schnittmuster für einen Hoodie rausbringt, der sich nur in Kleinigkeiten unterscheidet! 

 

Ja, definitiv ist das völlig in Ordnung. Wäre es das nicht, dürfte keiner der beiden ein Schnittmuster rausbringen, denn Hoodie-Schnitte gibts zu 1000000 überall. Und das schon viele Jahre. Wer von wem welchen Schnitt dann kauft oder ob man lieber zu einer alten Nähzeitung (Buch, ebook, etc) greift, bleibt schlicht dem einzelnen „Kunden“ überlassen.

 

Wer will jetzt hier beurteilen, wessen Schnitt „das Original“ ist? Niemand, denn erstens kann es keiner „beweisen/dokumentieren“, denn es gab ja schon Nähbücher vor der „Internet-Zeit“ und zweitens ist es in den vielen Jahren des Nähens schlicht unmöglich, den eigentlichen Ursprung festzustellen. Meine Oma hat schon Kosmetiktaschen (Hasen, Blumen, Geldbörsen, Kissen, Leggins, etc.) genäht, ich könnte also auch immer darauf zurückgreifen, wies meine Oma gemacht hat, die hats aber auch von jemandem gelernt oder irgendwo gesehen. 
Dass jemand was originär komplett Neues macht, kann man heute (fast) ausschließen. Und man kann sicher nicht behaupten, man wäre sich ganz sicher, dass das, was man als Nähidee macht, nicht irgendwann, irgendwo schon mal aufgetaucht ist. (Gutes Beispiel hier: Häkelanleitungen aus uralten Büchern meiner Mutter oder auch Stofftiere, die schon vor zig Jahren so gemacht wurden wie heutige ebooks sie zeigen). Die Liste läßt sich in alle Richtungen beliebig erweitern. 

RECHTLICHER HINTERGRUND
Mein eigentliches Anliegen ist also der Aufruf zu weniger „Nähpolizei“ und „Gehacke“ und shitstrom in der Öffentlichkeit! Es macht einfach keinen Sinn, sich so hinzustellen, als wüßte man vom Ursprung und dürfe daher darüber urteilen, ob ein Schnitt oder ebook nun zu Recht gemacht und verkauft wird. Und außerdem kommt man mit sowas ganz schnell in den Tatbestand der „Üblen Nachrede“
( § 186 Üble Nachrede: Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.)

 

Es gibt die andere Seite und da bin ich auch rigoros und mehrfach persönlich betroffen: Mein Stoffdesign wurde 1:1 kopiert (da sind wir dann beim holländischen Händler eingeschritten) und eines meiner ebooks wurde auch hier in der deutschen Nähszene dann irgendwann als freebook mit minimalsten Änderungen herausgebracht. Oder jemand macht eine neuartige Stickdatei ITH-Taschen-Idee, die niemand kannte und ne Woche später machts jemand (in der selben Gruppe) nach, das sind dann andere Themen. Da ist es dann offensichtlich, dass sich jemand bedient, das gibts auch zu Hauf. Das zu klären, ist dann aber auch nicht „Aufgabe“ der „Shitstormer“ und „Nähpolizei“ in fb-Gruppen etc. 
Dafür gibts in Deutschland ein eindeutiges Urheberrecht. Das gilt, und nicht, was der Einzelne sich dabei denkt.

 

Sowas kann (muss) man hinter den Kulissen mit demjenigen klären (und auch dem Betroffenen melden, wenn sowas auffällt, na klar). Und zur Not geht sowas dann auch über Anwälte, nennt sich dann „Rechtsweg“. Und ja, man darf auch per PN mit seiner Freundin drüber lästern, dass der Schnitt von „A“ eigentlich genauso ist, wie der Schnitt von „B“ oder aus der alten ottobre, darf man !! Mach ich auch! Aber PRIVAT !
Für Shitstorms oder öffentliche Angriffe gibts dagegen meiner Meinung nach keine Rechtfertigung, GARKEINE!! 

UND NUN?
So, ich hoffe , ich konnte klar machen, worum es geht:
Hört auf zu hacken, der Einzelne entscheidet, was ihm gut gefällt, wofür er/sie ein ebook kaufen möchte oder braucht, ob er Ideen, die er gesehen hat, ohne ebook umsetzen kann, ob er sich die Mühe macht, bei pinterest etc. nach ähnlichen, kostenlosen Anleitungen zu suchen, sich ein japanisches Youtube-Video anzuschauen oder eben nicht. 
In diesem Sinne, habt es fein, näht und kauft, 
was ihr wollt und urteilt nicht immer zu früh! 
Liebste Grüße
ICH GEH NÄHEN 
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